Boban i Marko Markovic Orkestar (YU)

05.04.2008, Forum (Bielefeld)

Bei der im Frühjahr 2008 anstehenden Europatour gab das „Boban i Marko Markovic Orkestar“ aus Serbien sein einziges Deutschlandkonzert im Forum in Bielefeld, wo in den vergangenen Jahren schon der ein oder andere Klassiker der Balkanmusik präsentiert wurde (hier seien z.B. das Kocani Orkestar & Shantel oder die Balkan Beat Box erwähnt). Jetzt war also das legendäre „Boban i Marko Markovic Orkestar“ an der Reihe, die guccha-gekrönten Könige des Balkan Brass! Die Aftershow-Party bestritt niemand Geringeres als DER BalkanBeats-DJ Robert Šoko aus Berlin, Urheber der seit 1993 bestehenden BalkanBeats-Bewegung und Herausgeber der gleichnamigen CD-Reihe, die auf dem Osteuropa-Label Eastblok Music erscheint. Der Abend versprach also ein Balkan-Abend der Extraklasse zu werden, und in der Tat, war er das, und noch viel mehr!

Die große Frage im Vorfeld war, welcher Aspekt des sehr umfangreichen und mehrere CDs umfassenden Œuvres des „Boban i Marko Markovic Orkestar“ angespielt werden würde: die ruhigeren, traditionellen Lieder, die verspielten jazzartigen Brassstücke, die rhythmusbetonten Tanznummern oder gar die ewigen Balkan-Knüller aus den Kusturica Filmen? Ab 22:00 Uhr gab es dann die Antwort auf diese Frage.

Zunächst ließ es das „Boban i Marko Markovic Orkestar“ ruhig angehen: gespielt wurden gemäßigte und jazzige Nummern, die die ganze Virtuosität der beiden Heldentrompeter zum Ausdruck brachten. Der Zuschauer hatte also genügend Zeit, um das Ohr auf den gewaltigen Sound einzustellen und das Auge schweifen zu lassen. Das „Boban i Marko Markovic Orkestar“ bestand aus 13 Leuten: im Zentrum Marko und Boban Markovic, im Hintergrund 8 Blechbläser und drei Trommler. Das Kollektiv beeindruckte sehr durch sein geschlossenes Erscheinungsbild: die Musiker waren durch die Bank alle eher klein, dunkel, trugen ein schwarzes Band-T-Shirts, das sich um ein kleines Bäuchlein straffte. Das Publikum des gut gefüllten Forums war sehr heterogen: vom Aussehen her waren viele Freunde der Weltmusik und der alternativen Rockmusik anwesend, aber mehr als die Hälfte des Publikums stellten wohl die Damen und Herren vom Fach (will heißen: aus Ex-Jugoslwawien), die lautstark ihre Begeisterung bekundeten und Lieder einforderten. Etwa 20 Minuten brauchte die Band, um sich einzugrooven und den Sound einzustellen, und dann wurden andere Geschütze aufgefahren: es wurde gegrinst und gelacht, und eine große Balkanhymne jagte die nächste! Lieder, bei denen ich gar nicht mehr gehofft habe, dass sie überhaupt gespielt werden würden, wurden auf die Zuschauer abgefeuert. Auch wenn zu lesen ist, dass Boban Markovic die Orchesterleitung an den Sohn Marko abgegeben hat, auf der Bühne war er an dem Abend eindeutig die „Rampensau“ und sorgte für jede Menge Entertainment: er bat ausgewählte Trompeter ans Mikro, legte mit einem Trommler ein Tänzchen ein, animierte das Publikum zum Mitsingen und lachte ziemlich viel (und ziemlich breit). Das Publikum nahm sowohl die Hits als auch die Show dankbar an und brachte das Forum zum kochen!

After-Show-Party mit DJ Šoko (BalkanBeats, Berlin)

Nach ca. 75 Minuten (inklusive zwei kurzer Zugaben) war der Live-Spaß beendet, und gegen 23:15 Uhr begann die Aftershow-Party, die das Cafe Milestones anlässlich seines Jubiläums ausrichtete.

Für die musikalische Untermalung der Jubiläumsparty war extra DER BalkanBeats-DJ Robert Šoko aus Berlin eingeladen worden. Die beiden anwesenden Klub 40°-DJs waren gespannt, was so ein Profi-und-”Kult“-DJ aus Berlin im Forum so auflegt. Für das Publikum war es wohl super Musik und eine Spitzenstimmung, für uns war es eine geniale Leistung: exzellente Musikauswahl, absolut fließende Übergänge und super Dramaturgie und Spannung im Set...und das die ganze Nacht!

Naturgemäß war das Publikum zur After-Show im Vergleich zum Konzertpublikum ein wenig zusammengschrumpft, aber die noch anwesenden bzw. später neu hinzukommenden durchschnittlichen 150 Leute tanzten, dass sich der Balkan bog. In den ersten zwei Party-Stunden pflegte die Hälfte der Band noch Publikumskontakt, und man durfte sich nicht wundern, wenn man auf einmal mit zwei Trompetern im Arm herumhüpfte! Es sei empfohlen, sich bei solch einer Party auch mal die Zeit zu nehmen, um am Rande in Ruhe sein Bier zu konsumieren und sich das Publikum anzuschauen: die Leute sahen so aus als hätten sie sich einer kollektiven Gehirnwäsche unterzogen, die allein durch die Musik und nicht durch zu viel Slivovitz erzeugt wurde: die Zuschauer am Rand hatten überall diesen seligen, entrückten, ungläubigen Blick und ein leicht irres Grinsen. Die Tänzer waren sowieso in anderen Sphären...und das bis 4:30 Uhr!

Klub 40° zückt den Hut vor der genialen musikalischen Leistung und sagt dem Forum Bielefeld und dem Milestones „Danke!“ für diesen grandiosen Balkan-Abend!(kl)

 
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Zuletzt geändert: 2010/07/09 10:55