Matrjoschka

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Zwei große Augen, ein kirschroter Mund, Apfelbäckchen, ein sorgfältig gescheitelter Schopf unter dem bunten Kopftuch. In ihrem glänzend lackierten kegelförmigen Körper versteckt sie ihre Töchter. Beim Zerlegen quietscht sie und verströmt einen eigentümlichen Geruch nach Holz und Lack.
Die Matrjoschka (russ. матрёшка), das russische Schachtelpüppchen, ist wohl das beliebteste Souvenir Russlandreisender. Dabei ist die Matrjoschka weder besonders alt, noch wirklich russischen Ursprungs. Sie stammt vielmehr aus Japan und gelangte erst Ende des 19. Jahrhunderts nach Russland. Hier freilich erhielt sie ihr allseits bekanntes Aussehen, welches sie zum russischen Klischee schlechthin machte.
Der westdeutsche Schriftsteller Rudolf Hangelstange, der 1962 gemeinsam mit Heinrich Böll eine Reise in die Sowjetunion unternahm und seine Erfahrungen und Eindrücke in dem Band „Die Puppen in der Puppe – Eine Russlandreise“ festhielt, hat die Matrjoschka-Figur als eine Metapher für Rätselhaftigkeit verwandt. Hagelstanges detaillierte Beschreibungen der Puppe legen den Schluss nahe, dass das russische Spielzeug zu diesem Zeitpunkt zumindest in der Bundesrepublik noch nicht bekannt war. Möglicherweise trug der Erfolg seines Reiseberichts zur Popularisierung der Holzpuppe im Westen bei. Spätestens seit den siebziger Jahren gesellte sie sich in westdeutschen Kinderzimmern zu Playmobilmännchen und Barbiepuppe. Inzwischen ist die Schachtelfigur zu einem gängigen Symbol für Russland geworden als plastische Verkörperung weit verbreiteter Russland-Klischees, wie Rätselhaftigkeit, Geheimnis, Vielgestaltigkeit.
Warum sich im deutschen Sprachgebrauch fälschlicherweise die Bezeichnung Babuschka (russ. бабушка) (Großmutter) hartnäckig etabliert hat, ist ebenfalls ein Rätsel!

Anmerkung

Ihr Unterteil lässt sich übrigens zweckentfremden, wenn mal kein Schnapsgläschen zur Hand ist…aber bitte nicht über den holzigen Geschmack wundern. (ak)

 
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Zuletzt geändert: 2010/07/09 10:55